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Geologie lesen: was Würm, Holozän und Trias über Ihren Untergrund verraten

3. September 2026

Wer eine Adresse abfragt, bekommt neben Boden und Gestein auch ein Zeitalter angezeigt: Holozän, Weichsel, Würm, Trias, Devon. Das wirkt wie ein nettes Extra für Interessierte, ist aber praktisch nützlich.

Die Grundregel

Je älter ein Gestein, desto stärker ist es in der Regel verfestigt und desto gleichmäßiger ist es aufgebaut. Junge Ablagerungen sind meist locker, wechselhaft und im Extremfall noch in Bewegung.

Das ist eine Faustregel mit Ausnahmen, aber sie hilft beim Einordnen.

Die jungen Schichten

Holozän ist die Gegenwart, geologisch gesehen: die letzten rund 11.700 Jahre seit der letzten Eiszeit. Dazu gehören Flussablagerungen in den Auen, Torfe, Dünensande und die Marschen an der Küste. Es sind die jüngsten und in der Regel die schwierigsten Schichten: locker, wasserreich, kleinräumig wechselnd.

Weichsel (in Norddeutschland) und Würm (im Alpenraum) bezeichnen die letzte Kaltzeit, die vor etwa 115.000 Jahren begann. Aus ihr stammen die Schotterflächen um München, die Endmoränen Norddeutschlands und viele Terrassen. Diese Kiese und Sande sind oft ausgezeichneter Baugrund, wenn sie dicht gelagert sind.

Saale und Elster sind ältere Kaltzeiten; ihre Ablagerungen sind stärker verdichtet und häufig von Geschiebemergel begleitet.

Die älteren Schichten

Tertiär (heute meist Paläogen und Neogen genannt) liefert in Norddeutschland Tone und Sande, im Rheinland auch Braunkohle. Tone aus dieser Zeit können sehr fest sein, quellen aber bei Wasserzutritt.

Kreide, Jura und Trias prägen weite Teile Süd- und Mitteldeutschlands: Kalksteine der Schwäbischen und Fränkischen Alb (Jura), Muschelkalk, Buntsandstein und Keuper (Trias). Diese Gesteine tragen in der Regel gut. Beim Keuper ist Vorsicht geboten: Er enthält quellfähige Tonsteine und Gips, was zu Hebungen führen kann.

Perm, Karbon, Devon und älter sind die Gesteine der Mittelgebirge: Schiefer, Grauwacken, Granite. Fest, tragfähig, teuer im Aushub.

Warum die Entstehung dazugehört

Neben dem Zeitalter nennt die Karte den Bildungsprozess. Auch der sagt etwas:

  • fluvial (von Flüssen abgelagert): wechselhaft, oft mit Kieslagen, wasserführend
  • glazial (von Gletschern): Geschiebemergel, sehr dicht, aber ungleichmäßig
  • äolisch (vom Wind): Löss und Flugsand, gleichmäßig, setzungsempfindlich bei Durchfeuchtung
  • marin (im Meer): oft feinkörnig und gleichmäßig, aber auch tonig und weich
  • limnisch (in Seen): feine Ablagerungen, häufig weich, gelegentlich mit organischen Lagen

Ein Beispiel

Für eine Adresse in München nennt die Karte „Terrassenablagerungen“, Gesteine „Sand und Kies“, Entstehung „fluvial“, Zeitalter „Oberes Würm“. Übersetzt: Schotter, den die Isar in der letzten Kaltzeit abgelagert hat. Das ist in der Regel guter Baugrund, wasserführend, und erklärt zugleich, warum München so viele Brunnen hat.

Häufige Fragen

Bedeutet ein altes Gestein automatisch guten Baugrund?
Meistens, aber nicht immer. Verwitterter Fels an der Oberfläche, geneigte Schichtflächen und quellfähige Tonsteine sind Ausnahmen.
Warum steht bei mir „Holozän“, obwohl ich nicht am Fluss wohne?
Holozäne Ablagerungen gibt es auch in Senken, in ehemaligen Seebecken und an Hangfüßen als Kolluvium, also abgeschwemmtes Bodenmaterial.
Wo sehe ich diese Angaben?
Auf jeder Gemeindeseite und in der Adressabfrage, jeweils aus der Geologischen Übersichtskarte 1:250.000 der BGR.
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Trägt der Boden unter Ihrem Grundstück, wie steht das Wasser, und was heißt das für Keller und Fundament?

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Ein Fundament auf dem falschen Baugrund oder ein Keller im Grundwasser kostet Zehntausende, ein Baugrundgutachten einige Tausend Euro. Der Bericht führt die sechs amtlichen Kartenwerke für Ihre Adresse zusammen, bevor Sie einen Architekten oder ein Bohrunternehmen beauftragen; er ersetzt kein Baugrundgutachten.

  • Boden und Gestein: Bodenart, Bodeneinheit und Bodengroßlandschaft (BÜK200, BGL5000), Gestein, Entstehung und Zeitalter des Untergrunds (GÜK250)
  • Wasser und Radon: Locker- oder Festgestein, Hohlraumart, Durchlässigkeit und Grundwasserleiter (HÜK250), Radon-222 in der Bodenluft nach Strahlenschutzgesetz, Erdbebenzone
  • Umgebung und Karten: 16 Messpunkte ringsum, Standortkarte und Bodenkartenausschnitt, als PDF von rund zehn Seiten mit einem Kapitel dazu, was diese Karten nicht hergeben

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