Wie genau ist eine Karte im Maßstab 1:200.000 eigentlich?
30. August 2026
Auf jeder Seite dieser Website steht ein Hinweis auf den Maßstab. Das ist kein juristisches Kleingedrucktes, sondern die wichtigste Information über die Aussagekraft der Daten.
Was der Maßstab bedeutet
Bei 1:200.000 entspricht ein Zentimeter auf der Karte zwei Kilometern in der Landschaft. Ein Millimeter, und feiner kann man mit der Hand kaum zeichnen, sind 200 Meter.
Ein durchschnittliches Baugrundstück von 600 Quadratmetern ist also etwa 25 mal 25 Meter groß. Auf der Karte wären das 0,125 Millimeter. Es ist in dieser Karte schlicht nicht vorhanden.
Die Folge: Generalisierung
Kartografen nennen das Generalisierung. Beim Übergang von der Aufnahme im Gelände zur Karte werden Flächen zusammengefasst, kleine Vorkommen weggelassen und Grenzen geglättet. Was übrig bleibt, ist die vorherrschende Einheit einer Landschaft.
Deshalb steht in den Kartentexten so oft „vorherrschend“ und „gering verbreitet“. Eine Karteneinheit ist keine Liste dessen, was da ist, sondern eine Beschreibung dessen, was überwiegt.
Was daraus folgt und was nicht
Zulässige Schlüsse:
- In welcher Landschaft liegt mein Grundstück, geologisch gesehen?
- Mit welcher Art von Untergrund muss ich in dieser Gegend rechnen?
- Ist das eine Region, in der schwierige Böden verbreitet sind, oder eine, in der es meist unkompliziert ist?
- Welche Fragen sollte ich dem Gutachter stellen?
Unzulässige Schlüsse:
- Wie tragfähig ist mein Boden?
- Wie tief reicht die weiche Schicht?
- Kann ich flach gründen?
- Ist eine Versickerung möglich?
Der blinde Fleck: der Mensch
Der größte Unsicherheitsfaktor steht in keiner geologischen Karte, weil er nicht geologisch ist. Aufschüttungen, verfüllte Gruben, alte Fundamente, Bombentrichter, Leitungsgräben: alles, was in den letzten hundertfünfzig Jahren bewegt wurde, ist für die Karte unsichtbar.
Gerade in Stadtgebieten kann der Untergrund auf den ersten Metern vollständig künstlich sein. Die Karte weist dort dann Auffüllungen aus, was ehrlich ist, aber eben auch nur eine Sammelbezeichnung.
Warum die Karten trotzdem nützlich sind
Weil sie kostenlos, flächendeckend und amtlich sind. Sie ersparen einem nicht die Untersuchung, aber sie verhindern Überraschungen der Art „ich wusste nicht, dass hier überall Torf liegt“. Und sie machen aus einem Bauherrn, der nichts weiß, einen, der die richtigen Fragen stellt.
Häufige Fragen
- Gibt es genauere Karten?
- Ja, die Länder führen Bodenkarten im Maßstab 1:50.000 oder feiner. Sie sind nicht bundesweit einheitlich verfügbar und unterscheiden sich in Umfang und Zugänglichkeit erheblich.
- Warum nutzt diese Seite nicht die feineren Landeskarten?
- Weil es sechzehn verschiedene Datenbestände mit unterschiedlichen Formaten, Legenden und Nutzungsbedingungen sind. Eine bundesweit einheitliche Aussage entsteht daraus nicht ohne Weiteres.
- Ist die Radonkarte genauer?
- Ihre Zellen sind ein mal ein Kilometer groß, also feiner als die Bodenkarte, aber immer noch weit größer als ein Grundstück.
Trägt der Boden unter Ihrem Grundstück, wie steht das Wasser, und was heißt das für Keller und Fundament?
Geben Sie eine Adresse ein und sehen Sie kostenlos, was die amtlichen Karten dort zeigen. Wie durchlässig der Untergrund ist, ob er ringsum einheitlich ist, was Radon in der Bodenluft bedeutet und was das für Keller, Fundament und Erdbebenzone heißt, steht erst im Bericht für diesen Punkt.
Ein Fundament auf dem falschen Baugrund oder ein Keller im Grundwasser kostet Zehntausende, ein Baugrundgutachten einige Tausend Euro. Der Bericht führt die sechs amtlichen Kartenwerke für Ihre Adresse zusammen, bevor Sie einen Architekten oder ein Bohrunternehmen beauftragen; er ersetzt kein Baugrundgutachten.
- Boden und Gestein: Bodenart, Bodeneinheit und Bodengroßlandschaft (BÜK200, BGL5000), Gestein, Entstehung und Zeitalter des Untergrunds (GÜK250)
- Wasser und Radon: Locker- oder Festgestein, Hohlraumart, Durchlässigkeit und Grundwasserleiter (HÜK250), Radon-222 in der Bodenluft nach Strahlenschutzgesetz, Erdbebenzone
- Umgebung und Karten: 16 Messpunkte ringsum, Standortkarte und Bodenkartenausschnitt, als PDF von rund zehn Seiten mit einem Kapitel dazu, was diese Karten nicht hergeben
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